Sie haben einen Dongle an Ihr Auto angeschlossen, eine App gestartet und … Stille. Oder noch schlimmer: Sie sehen zwar den allgemeinen Status „Bereit“, aber keinerlei Informationen zur Zellspannung Ihrer Batterie oder zur Motortemperatur. Das ist die häufigste Frustration, die ich bei neuen Besitzern von Elektrofahrzeugen und angehenden Hobbyschraubern im Jahr 2026 beobachte. Die Hardware funktioniert, aber die Software weiß nicht, welche Fragen sie stellen soll. Das fehlende Glied? Es ist die Parameter-ID oder PID.
Stellen Sie sich die Parameter-ID als einen spezifischen Abfragecode vor, mit dem Daten vom Bordcomputer angefordert werden. Während Standard-OBDII-Tools eine für Verbrennungsmotoren entwickelte Basissprache sprechen, benötigen moderne Elektrofahrzeuge einen speziellen Dialekt – einen individuellen Satz von PIDs –, um ihre Geheimnisse preiszugeben. Zu verstehen, wie diese Codes mit dem CAN-Bus und dem Motorsteuergerät (ECU) interagieren, ist der entscheidende Unterschied zwischen dem Aufleuchten der Motorkontrollleuchte und der genauen Kenntnis der Batteriezelle, deren Spannung schwankt.
In diesem Leitfaden erläutern wir die technischen Grundlagen von PID-Reglern, die Visualisierung von Rohdaten und den Workflow zur Umwandlung von Hexadezimalcode in lesbare Batteriestatistiken. Einen umfassenderen Überblick über die benötigte Hardware finden Sie in unserem Besten Diagnosetool für Elektrofahrzeuge: Der Leitfaden für Ingenieure zu Batteriezustand und Fahrzeugdigitalisierung.
Kurz gesagt: Die Zusammenfassung des Ingenieurs
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Was ist eine PID? Eine Parameter-ID ist ein Hexadezimalcode (z. B.
2101), der spezifische Daten vom Fahrzeugsteuergerät anfordert. -
Das Problem bei Elektrofahrzeugen: Standard-PIDs überwachen Emissionen; Elektrofahrzeuge verbergen Batteriedaten hinter herstellerspezifischen „Erweiterten PIDs“.
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Der Mechanismus: PIDs werden über den CAN-Bus übertragen, von einem Steuergerät verarbeitet und liefern Rohdaten, die mithilfe einer Formel umgerechnet werden müssen.
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Der Workflow: Um Daten anzuzeigen, muss Ihre Software mit dem spezifischen PID-Profil des Fahrzeugs (einer Definitionsdatei) übereinstimmen.
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Warum das wichtig ist: Ohne die korrekten PIDs kann selbst der teuerste Scanner den Zustand des Elektrofahrzeugs (SOH) oder die Zelltemperaturen nicht auslesen.
Die Anatomie einer Parameter-ID
Im Kern ist eine Parameter-ID eine Signalanfrage. In der Fahrzeugdiagnostik von 2026 senden Fahrzeuge nicht mehr alle Daten gleichzeitig – das würde das Netzwerk überlasten. Stattdessen müssen Diagnosegeräte als „Client“ fungieren und den „Server“ (das Steuergerät des Fahrzeugs) nach spezifischen Informationen fragen. Die PID ist diese Anfrage.
Standard- vs. Erweiterte PIDs
Es gibt zwei Hauptkategorien von PIDs:
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Standard-SAE-PIDs (Modus 01): Dies sind gesetzlich vorgeschriebene Codes, die ursprünglich für Abgastests entwickelt wurden. Codes wie „01 0C“ (Motordrehzahl) oder „01 0D“ (Fahrzeuggeschwindigkeit) funktionieren bei fast allen Fahrzeugen, die nach 1996 hergestellt wurden. Für Elektrofahrzeuge sind diese jedoch, abgesehen von der grundlegenden Geschwindigkeit oder der 12-V-Batteriespannung, weitgehend nutzlos.
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Erweiterte/Optimierte PIDs (Modus 21/22): Hier findet die eigentliche Magie für Elektrofahrzeuge statt. Hersteller wie Tesla, Hyundai und Volkswagen speichern ihre proprietären Daten – Batterieladezustand (SOH), Wechselrichtertemperaturen, Torque Vectoring – an diesen nicht standardmäßigen Speicherorten.
Um auf die Rohdatenvisualisierung eines Elektrofahrzeug-Akkus von 2026 zuzugreifen, können Sie nicht auf die Standardeinstellungen zurückgreifen. Sie müssen ein Profil mit diesen spezifischen, erweiterten Hexadezimalzeichenfolgen manuell eingeben oder laden.
Das Nervensystem: CAN-Bus und Steuergeräte
Um die Funktionsweise einer Parameter-ID wirklich zu verstehen, müssen wir uns die physikalische Schicht ansehen: den CAN-Bus (Controller Area Network). Als Elektrotechniker stelle ich mir den CAN-Bus wie einen lauten Raum vor, in dem jeder seine eigene Botschaft sendet.
Der Anfrage-Antwort-Zyklus
Wenn Sie in Ihrer Smartphone-App auf „Daten lesen“ tippen, läuft folgender Ablauf im Millisekundenbereich ab:
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Die Anfrage: Ihre App sendet eine PID (z. B.
220101) über den Bluetooth-Dongle an den CAN-Bus. -
Die Filterung: Jedes Motorsteuergerät (ECU) und jedes Batteriemanagementsystem (BMS) im Netzwerk empfängt die Anfrage. Die Anfrage enthält jedoch eine Header-Adresse, die auf ein bestimmtes Modul abzielt (z. B.
7E4für das BMS). -
Die Verarbeitung: Das Ziel-Steuergerät liest den Wert aus seinem EEPROM (Speicher) oder von einem Sensor in Echtzeit aus.
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Die Antwort: Das Steuergerät antwortet mit einer hexadezimalen Datenzeichenfolge (z. B.
62 01 01 0F).
Diese Hochgeschwindigkeitsaushandlung findet hunderte Male pro Sekunde statt. Mit dem Aufkommen von Ethernet-basierter Diagnose und CAN-FD (Flexible Data Rate) ist diese Datenübertragung im Jahr 2026 schneller denn je und ermöglicht Echtzeit-Oszilloskopdarstellung auf dem Smartphone-Bildschirm.
Die Matrix entschlüsseln: Vom Hexenwesen zum Menschen
Das ist der Punkt, der die meisten Heimwerker verwirrt. Das Steuergerät sendet nicht „400 Volt“, sondern rohe Hexadezimalbytes. Um diese Daten sinnvoll zu nutzen, benötigen wir eine Formel. Dies ist der Kern der Rohdatenvisualisierung.
Die Umrechnungsformel
Eine typische PID-Definition enthält den PID-Code, den Header und die Formel.
Betrachten wir ein hypothetisches Beispiel für einen PID-Regler zur Messung der Batteriespannung eines Elektrofahrzeugs:
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Antwort:
A8(hexadezimal) -
Formel:
(A * 256 + B) / 10
Software, die diese Parameter-ID interpretiert, nimmt das erste Byte (A), wandelt es in eine Dezimalzahl um, führt die Berechnung durch und zeigt das Ergebnis an. Wenn Ihre Diagnose-App die falsche Formel verwendet, sehen Sie möglicherweise „4000 Volt“ anstelle von „400,0 Volt“ oder „-40 Grad“ anstelle von „20 Grad“.
Hinweis für 2026: Moderne Apps verfügen mittlerweile über eine automatische Skalierungsfunktion, die die Plausibilität von Formeln überprüft. Die manuelle Überprüfung bleibt jedoch für alle, die ihr Dashboard individuell anpassen, unerlässlich.
Der Diagnoseablauf für Elektrofahrzeuge 2026
Die Theorie zu verstehen ist wichtig, aber wie wendet man sie heute im Alltag an? Hier ist der von mir empfohlene Standard-Workflow für die Elektrofahrzeugdiagnose, um auf verborgene Daten zuzugreifen.
Schritt 1: Hardwareauswahl
Sie benötigen eine hochwertige OBDII-Schnittstelle, die die für moderne Elektrofahrzeuge typischen „Long Frame“-Nachrichten verarbeiten kann. Günstige Nachbauten verwerfen diese Pakete oft.
Schritt 2: Softwarekonfiguration
Dies ist der entscheidende Schritt. Sie können die App nicht einfach öffnen. Sie müssen ein PID-Profil (oft eine .csv- oder .dcf-Datei) laden, das spezifisch für Ihre Fahrzeugplattform ist (z. B. E-GMP, MEB oder Tesla CAN).
Schritt 3: Sensorauswahl
Sobald die PIDs geladen sind, werden Ihnen wahrscheinlich Hunderte von verfügbaren Sensoren angezeigt. Wählen Sie nur die benötigten aus (z. B. BMS_Cell_Max, BMS_Cell_Min, SOC_Display). Die gleichzeitige Abfrage zu vieler PIDs verlangsamt die Aktualisierungsrate.
Schritt 4: Visualisierung
Konfigurieren Sie Ihr Dashboard. Ab 2026 wird ein Trend hin zur vektorbasierten Visualisierung beobachtet. Dabei werden die Rohdaten der PIDs direkt auf 3D-Batteriemodelle abgebildet, wodurch die Wärmeverteilung im Akkupack anstelle einer reinen Zahlenliste dargestellt wird.
Fortgeschrittene Themen: EEPROM und Reverse Engineering
Für Auto-Hacker und Technikbegeisterte sind Parameter-IDs nur die Spitze des Eisbergs. Manchmal sind die benötigten Daten noch nicht dokumentiert. Dies erfordert Reverse Engineering.
Dabei wird der CAN-Bus-Verkehr während einer Fahrzeugaktion (z. B. Supercharging) analysiert, um die kommunizierenden Steuergeräte (ECUs) zu identifizieren. Fortgeschrittene Benutzer können über UDS-Dienste (Unified Diagnostic Services) auch direkt mit dem EEPROM (elektrisch löschbarer, programmierbarer Festwertspeicher) interagieren, um statische Daten wie das Herstellungsdatum der Batterie oder den gesamten Energiedurchsatz über die Lebensdauer auszulesen.
Warnung: Das Schreiben von Daten in PIDs (Befehle) oder das Ändern von EEPROM-Werten birgt erhebliche Risiken und kann das Steuergerät Ihres Fahrzeugs unbrauchbar machen. Beachten Sie stets die Nur-Lese-Protokolle, es sei denn, Sie sind ein geschulter Experte.
Die Parameter-ID ist die Brücke zwischen der digitalen Stille eines modernen Elektrofahrzeugs und den umfassenden, verwertbaren Daten, die Besitzer und Mechaniker benötigen. Da Fahrzeuge ab 2026 zunehmend softwaredefiniert sein werden, wird das Verstehen, Laden und Interpretieren dieser Codes genauso wichtig wie der Umgang mit einem Drehmomentschlüssel.
Ob Sie den Verschleiß Ihres Lithium-Ionen-Akkus überwachen oder ein Problem mit dem Wärmemanagement beheben – denken Sie daran: Die Qualität Ihrer Erkenntnisse hängt vollständig von der Genauigkeit Ihrer Parameter-IDs ab. Hardware bringt Sie der Tür näher, aber die korrekte Parameter-ID öffnet sie.
Sind Sie bereit, tiefer in die Hardware einzutauchen, die dies ermöglicht? Entdecken Sie unseren umfassenden Leitfaden Beste Diagnosewerkzeuge für Elektrofahrzeuge: Der Ingenieurleitfaden für Batteriezustand und Fahrzeugdigitalisierung für weitere Einblicke in die Zusammenstellung Ihres optimalen Diagnosewerkzeugkastens.







